Infektionen durch sogenannte Krankenhauskeime – Immer mehr Patienten betroffen.

Multiresistente Erreger unter dem Mikroskop

Die sogenannte nosokomiale Infektion entwickelt sich seit geraumer Zeit zu einem der größten Probleme unseres Gesundheitswesens. Hundertausende von Patienten infizieren sich in den ca. 2.000 deutschen Krankenhäusern mit multiresistenten Erregern, gegen die kaum noch Antibiotika helfen. Sie leiden unter schweren Wundinfektionen, Lungenentzündungen, Blutvergiftungen oder Harnwegsinfektionen und müssen zum Teil auf der Intensivstation behandelt werden. Eine große Zahl dieser gefährlichen Keime ist multiresistent, d.h. kaum ein Antibiotikum kann etwas gegen sie ausrichten. Für viele Überlebende endet ihr Leidensweg nie, sie werden chronisch krank, sind berufsunfähig oder leiden an dauerhaften Schmerzen.

Die Anzahl der Haftpflichtfälle sind seit Jahrzehnten stetig gestiegen. Nach aktuellen Schätzungen wird in Deutschland von ca. 40.000 Fällen pro Jahr ausgegangen. Dabei sind vor allem die Fachbereiche Chirurgie, Geburtshilfe, Gynäkologie und Orthopädie betroffen.

Auch wenn es keine aktuellen Statistiken gibt, lässt sich der im August 2012 veröffentlichten Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) entnehmen, dass sich insgesamt 3,33 Prozent aller in deutschen Kliniken behandelten Patienten während ihres Aufenthaltes mit Krankenhauskeimen infizieren. Nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums erkranken jedes Jahr 400.000 bis 600.000 Menschen an einer nosokomialen Infektion und ca. 15.000 dieser Patienten versterben an den Folgen einer solchen Infektion. Die deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene vermutet sogar bis zu 40.000 Todesfälle.

Immer wieder werden derartige Fälle in der Öffentlichkeit bekannt. In der Universitätsklinik Kiel haben sich Ende des Jahres 2014 19 Menschen mit einem multiresistenten Bakterium infiziert. Die Patienten wurden positiv auf das gegen fast alle Antibiotika resistente Bakterium „Acinetobacter baumannii“ getestet. Fünf der 25 bis 80 Jahre alten Betroffenen starben.

Auch im Marienhaus Klinikum in Saarlouis waren im Juli 2015 tragischer Weise zwei Kinder betroffen. Eine der beiden frühgeborenen Zwillingsmädchen erkrankte aufgrund der Keime so schwer, dass sie seitdem sechs neurochirurgische Operationen am Kopf über sich ergehen lassen musste.

Ebenfalls im Jahr 2015 haben sich Säuglinge auf einer Düsseldorfer Kinderstation mit VRE-Keimen, aggressiven Darmbakterien, angesteckt.

Auch die für die Nachbehandlung dieser Patienten anfallenden Kosten für die Krankenkassen sind erheblich. Laut einer Studie der Universität Greifswald und des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse (TK) kostet die Behandlung einer Infektion mit multiresistenten Erregern (MRE) zusätzlich etwa 17.500 Euro. Der Krankenhausaufenthalt verlängert sich dabei durchschnittlich um das Dreifache. Im Krankenhaus erworbene Infektionen verursachen in Deutschland jedes Jahr Kosten in Höhe von schätzungsweise 2,5 Milliarden Euro.

Diese dramatische Entwicklung beruht zum einen auf dem zu häufigen und unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika in der Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten. Krankenhauskeime wie MRSA oder VRE werden durch den hohen Antibiotikaverbrauch in Krankenhäusern allmählich resistent, so dass sie mit den üblichen Antibiotika nicht mehr behandelbar sind. Zum anderen wird  die Verbreitung von Krankenhauskeimen durch eine mangelnde Hygiene in Krankenhäusern dadurch begünstigt, dass sich Ärzte und Pflegekräfte zu selten die Hände waschen, so dass sie unabsichtlich Keime von einem auf den anderen Patienten übertragen (zum Beispiel bei einem Verbandswechsel). Auch die unzureichende Reinigung und Desinfektion von möglicherweise kontaminierten Gegenständen und Oberflächen spielt eine erhebliche Rolle. Letztlich sind auch Risikopatienten (z.B. Kleinkinder, Patienten im fortgeschrittenes Alter, Patienten, die auf einer Intensivstation liegen, Krebskranke, Diabetiker, Dialysepatienten und Menschen mit chronischen Wunden oder Hauterkrankungen) besonders anfällig für Krankenhauskeime. 

Seit Jahren wird daher als wichtigste Maßnahme zur Prävention von Krankenhausinfektionen eine Verbesserung der Hygiene gefordert. Im Jahr 2011 wurde ein neues Infektionsschutzgesetz erlassen, das u.a. die  Einhaltung  verbindlicher Hygienevorschriften, vor allem durch das Krankenhauspersonal, fordert. Gleiches gilt für ein Screening von Risikopatienten vor der Aufnahme ins Krankenhaus und eine Raumluftdesinfektion während des Aufenthaltes.

Als zentrale Einrichtung des Bundes im Bereich der öffentlichen Gesundheit hat das Robert-Koch-Institut (RKI) Hygienestandards vorgegeben, die grundsätzlich von allen Krankenhäusern beachtet werden müssen.

Werden diese Standards bei der Behandlung von Patienten nicht eingehalten, so löst  dies Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche  aus.

Wenn Sie den Verdacht oder Hinweise darauf haben, dass Sie zu den betroffenen Patienten einer im Krankenhaus erworbenen Infektion gehören, prüft HAHN Rechtsanwälte Ihren Fall und unterstützt Sie bei der Durchsetzung Ihrer berechtigten Ansprüche.